In Rekordzeit um die Welt…

 

Vier Frauen aus vier verschiedenen Nationen mit vier verschiedenen Motorräden starteten am 6. Mai 2018 zeitgleich ihre Reise um die Welt. Ihr Ziel? Als erste wieder Zuhause ankommen und den Womens World Record für die schnellste Weltumfahrung mit dem Motorrad auf stellen und das Rennen um den Titel gewinnen.

Eine von ihnen ist Anita Fastl, die Steirerin aus Straß, auf ihrer Honda Africa Twin. Sie ist die Strecke von insgesamt 24 741 Kilometern in 19 Tagen und 17 Stunden gefahren und hat als Zweite ihr Ziel erreicht.

Ich hatte die Ehre mit dieser Powerfrau ein Interview zu führen. Sie erzählte mir von sich und ihrer aufregender Reise um die Welt.

Wie kam es dazu, dass du mit dem Motorradfahren angefangen hast?

Anita: Ich habe erst mit 40 zum Motorradfahren angefangen. Den Motorradführerschein habe ich schon mit 18 gemacht, aber sowie das Leben manchmal spielt, war leider das Geld und die Zeit für ein Motorrad nie da. Ich wollte eigentlich immer fahren. Jedes Mal, wenn ich ein Motorrad gehört habe, habe ich mich umgedreht, aber es hat einfach nie gepasst.

Dann habe ich meinen jetzigen Freund Andreas kennen gelernt, dieser ist auch ein ambitionierter Motorradfahrer. Mit diesem bin ich gerade mal 2x mitgefahren und dann habe ich mir, ohne dass er es gewusst hat, innerhalb von zwei Woche eine alte 650er BMW BJ 1994 gekauft, mit der ich das erste Jahr gefahren bin.

Und so hat das eigentlich angefangen. Richtig spontan habe ich gemerkt, dass macht mir Spaß, aber mitfahren will ich nicht.

Wie viele Kilometer fährst du im Durschnitt im Jahr und wo bist du da unterwegs?

Anita: Ich fahre zwischen 20 und 25 Tausend Kilometern. Am liebsten längere Touren. Die plane ich mit Google und Reiseführern, da ich gerne kulturelle Reisen zu Städten und Naturschauspielen unternehme.

 

Wie kam es dazu, dass du bei diesem Rennen teilgenommen hast? Wie hast du davon erfahren?

Anita: Ich bin 2017 zu dem jährlichen Elefantentreffen von den Untouchables, einem Motorradclub in Hengstberg, hingefahren. In diesem Jahr, durch Zufall, alleine und da traf ich einen Kumpel von mir und der stellte mir damals den Draxler Günther vor, weil dieser auch eine Reise nach Russland plante. Mit ihm habe ich mich etwas unterhalten und erzählt, wo ich schon überall war und wir haben die Nummern ausgetauscht.

Ein paar Wochen später, rief er mich dann an, erzählte mir von dem Rennen und fragte, ob ich nicht Lust hätte mitzufahren. Er versuchte mich zu  überreden, dass ich bei der Vorentscheidung im April 2017 in Russland mit fahren. So habe ich mich nach ein bisschen Überlegen bei dem Schweizer Grisu Grizzly, von dem er mir erzählte, beworben und bin dann 5800 Kilometern durch Russland gefahren, bei Regen, Schnee, Graupelschauer und Hagel. Dadurch hat sich es daraufhin ergeben, dass ich heuer dabei war.

 

Bist du berufstätig und wie hast du das mit deiner Arbeit vereinbaren können?

Anita: Ich bin selbständig als Masseurin tätig. Man muss zwar aufpassen, dass man in dieser Zeit nicht seine Kunden verliert, aber meinen Kunden kennen mich und wissen, dass mir das sehr wichtig war und haben sogar mit mir mitgefiebert.

 

Wieso hast du die Honda gewählt? Denkst du, dass du mit der Wahl deines Motorrades Vor- oder Nachtteile gegenüber den anderen Damen hattest?

Anita: Die Honda hat mich gewählt. Also, ich habe mir 2016 privat eine Honda Africa Twin gekauft und bin auch 2017 bei der Vorentscheidung in Russland damit gefahren. Dadurch wurde Honda auf mich aufmerksam und wollte mich dann unterstützen. Aber ich glaube ich habe weder Vor- noch Nachteile mit dem Bike gegenüber den anderen gehabt. Es hat einfach so gepasst. Jeder ist mit der Art von Motorrad gefahren, mit der wir immer fahren, das wir gewohnt sind und mögen. Und ich glaube, du kannst das mit jedem Motorrad fahren.

 

Welchen Reifen bist du gefahren und wie hast du das mit dem Reifewechseln gemacht?

Anita: Ich fahre schon seit Jahren den Heidenau Scout. Ich persönlich finde diesen super auf der Straße und Off-Road. Den ersten Reifen habe ich noch Zuhause aufgezogen und den zweiten habe ich sogar von Heidenau gesponsert bekommen. Dieses Reifenset hat mir ein Bekannter aus der Schweiz nach Nowosibirsk mitgenommen und dort beim Honda-Händler abgegeben. Dieser hat mir mein Service gemacht und das Set dort aufgezogen, nachdem ich erst mitten in der Nacht bei ihnen angekommen bin. Sie haben das aber sofort gemacht und währenddessen habe ich bei ihnen auf der Couch ein bisschen geschlafen.

In Minneapolis habe ich dann einen Straßenreifen aufgezogen, dort hätten sie leider keinen Heidenau.

 

Wie hat sich die gewertete Zeit zusammen gesetzt?

Anita: Es gab Time-Out-Zonen. Zum Beispiel in Wladiwostok, denn die Fähre runter nach Südkorea geht nur einmal die Woche. Also das war dann so, dass sobald ich in Wladiwostok angekommen bin, war ein Zeitstopp. Das war auch in Alaska, weil das Motorrad immer erst später angekommen ist, als wir Fahrerinnen. Bei der Übersetzung von Orlando, Florida, nach Spanien habe ich sogar 12 Tage auf die Honda gewartet.

 

Wie viele Kilometer und Stunden bist du im Durschnitt gefahren, bis du einen Stopp eingelegt hast? Was war die längste Strecke die du am Stück gefahren bist?

Anita:  Ich habe mir den Durschnitt für Russland ausgerechnet, da bin ich 1250 Kilometer am Tag gefahren. In Amerika waren es mehr. Also da bin ich von Anchorage runter 1600 Kilometer wirklich durchgefahren und am zweiten Tag bin ich auch wieder 1600 Kilometer durchgefahren, da habe ich nur 3 ½ Stunden geschlafen. Am dritten Tag hatte ich nach 800 Kilometern leider die Panne. Nach der Panne bin ich bis Minneapolis, dort war wieder ein Checkpoint. Und dann bin ich von Minneapolis 2700 Kilometer durchgefahren, dass waren 33 Stunden am Stück, wobei ich bei einem Restareal in der Nacht hielt und 55 Minuten geschlafen habe.

 

Was hat dir unnötig viel Zeit gekostet?

Anita: Ich hatte in Kanada eine Panne. Das war auf so einer Dirt-Road und mein Hinterrad hat sich auf einmal einfach nicht mehr gedreht. Das war an einem Samstag zu Mittag und da hatte leider auch kein Honda-Händler mehr geöffnet, Reperatouren waren nämlich nur bei einem Honda-Händler erlaubt. Somit bin ich dann 48 Stunden festgesessen.

 

Wie hast du das mit den Unterkünften geregelt?

Anita: Es war alles spontan, geht auch nicht anders. Ich bin viel durch gefahren und ab und zu hat ein Freund für mich Unterkünfte gebucht und mir dann die Koordinaten übermittelt, wobei ich trotzdem viel suchen musste, weil die Daten sich nicht auf das Navi übertragen ließen.

 

Wie hast du dir diese Reise finanziert?

Anita: Die Reise war extrem teuer. Ich habe einen sehr hohen Betrag selbst in die Reise finanziert, man kann sich gar nicht vorstellen, wie viel das alles kostet. Ich war ja 7 Wochen unterwegs, man braucht natürlich unheimlich viel Benzin, wobei indem Fall ist Amerika recht billig und zu meiner Überraschung Kanada widerrum teuer, dann kommen noch die Hotels dazu und auch die Fähre von Wladiwostok nach Südkorea. Zusätzlich zu meinem Privatvermögen, das ich investiert habe, hatte ich Sponsoren, bekam Spenden von Menschen aus der Gegend und ich habe auch T-Shirts dafür verkauft.

 

Was für Schwierigkeiten stellte die Strecke da?

Anita: Also in Russland waren die Straßen total mies. Es war auf einmal die Straße aus, dann waren riesige Schlaglöcher, es war kalt und hat geschneit. Es hat sogar einmal für 3 Tage durch geregnet. Die Bekleidung war da ganz wichtig. Mir wurde eine Motorradbekleidung von der Marke Rukka gesponsert, diese ist wasserdicht und hält auch warm.

 

Was war für dich das Beste und was das Schlimmste dieser Tour?

Anita: Das Beste waren einfach die Menschen, einfach die Leute, die ich getroffen habe und die mir geholfen haben. Zum Beispiel bei der Panne in Kanada, das war wie im Film. Ich bin auf einer Straße stecken geblieben, auf der fast nie ein Auto fährt und genau wie das passiert ist, ist ein Truck die Straße entlang gekommen. Der Fahrer des Trucks war so nett, er wollte mir helfen, aber wir haben zu zweit die Honda nicht aus den Dreck bekommen. Also hat er mich in die Nächste Ortschaft mitgenommen. Das war Hollow mit knapp 500 Einwohnern. Dort hat er mich dann bei einer Bar abgesetzt, in welche ich hinein bin und nach Hilfe gefragt habe. Sofort hat mir ein Herr seine Hilfe und seinen Hänger angeboten und noch zwei weitere Männer sind mitgefahren, damit wir das Motorrad auf den Hänger laden konnten. Wir sind danach direkt zum Honda-Händler, doch hatte dieser Samstag mittags schon geschlossen, deswegen hat er mein Bike daraufhin bei einem Bekannten über das Wochenende untergebracht, mich zum Essen eingeladen und in ein Hotel gebracht. Am Sonntag hat er mich dann eingeladen, ihn auf eine Auto-Ausstellung zu begleiten. Am nächsten Tag, am Montag, waren wir schon sehr früh beim Honda-Händler, der mein Bike bis Mittag für mich fertig repariert hatte. Und es war nicht nur das einzige mal, dass mir die Leute ihre Hilfe anboten. Sondern man traf überall Leute, die sich für meine Reise interessierten und auch immer ihre Hilfe anboten, wenn man sie benötigte.

Das Schlimmste war für mich das Navi von TomTom. Es findet einfach nichts. Wir haben es zu Hause noch einmal getestet, es findet zum Beispiel in Serbien Belgrad nicht. Und genau solche Probleme hatte ich auch auf der Reise immer wieder, dass es ein bisschen kompliziertere Adressen einfach nicht gefunden hat. Kurz vor Atlanta ist es auf einmal komplett abgestürzt und ich bin ohne Navi durch Atlanta gefahren. Und Atlanta ist groß, es wundert mich heute noch, dass ich mich nicht viel verfahren bin. Danach hat es dann plötzlich wieder funktioniert.

 

Würdest du jemanden diese Reise empfehlen?

Anita: Es kommt immer darauf an, was man will. In diesem Sinn war es ja keine Reise, wie ich sie machen würde, sondern ein sportliches Event, weil man sieht nichts von der Welt, man fährt nur. Für mich war das schon super, weil ich wusste, dass ich das kann. Ich bin körperlich und psychisch so fit, dass ich 20 Stunden am Bike sitzen kann. Das war schon ein tolles Erlebnis, weil ich anfangs nicht dachte, dass ich das wirklich körperlich durch drücken kann. Aber ich habe auch drei Monate vorher schon begonnen dafür zu trainieren. Wenn ich die Reise wieder machen würde, würde ich mir dafür zwei Jahre Zeit nehmen und mir alles in Ruhe anschauen.

 

Wo sollte man deiner Meinung nach unbedingt mit dem Bike einmal hinfahren?

Anita: Also wir, Andi und ich, fahren gern in den Balkan. Das erste Mal sind wir nach Bosnien gefahren und auch nach Serbien fahren wir gern, einfach weil wir dort immer wieder tolle Erlebnisse mit den Einheimischen erleben. Die Straßen sind zwar schlecht aber dafür fahren wir auch Enduro. Des Weitern waren wir schon in Rumänien, in Bulgarien, am Schwarzen Meer, in Griechenland und in der Türkei. Alles sehr empfehlenswert. Wir sind aber viel dort in den Bergen und nicht auf den Hauptstraßen unterwegs.

 

Also, mit dem Bike kann kein Weg zu weit sein, in diesem Sinne – #ridesafe & #havefun

 

 

Fotos: Fastl

 

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