Kim Adlhart – Supermotostaatsmeisterin zeigt den Burschen wo es lang geht

Vor kurzem habe ich mich mit der 20-jährigen Supermoto Staatsmeisterin Kim Adlhart aus Mattighofen auf einen Kaffee in Braunau am Inn getroffen um mit ihr ein Interview zu führen.

Die junge Österreicherin ist schon zum 3. Mal Staatsmeisterin in der S3-Klasse geworden und was das Leben als Rennfahrerin und Powermädel für sie bereit hält, hat sie mir erzählt.

 

Wie kam es dazu, dass du mit dem Motorradfahren angefangen hast?

Kim: Mein Papa ist ganz früher selber Motorcross gefahren, wie er in meinem Alter war. Wie ich 8 war, haben wir uns ein Supermoto-Rennen beim KTM-Werk angeschaut und als ich das gesehen habe, habe ich gleich gesagt: „Ich möchte das auch machen!“

Am Anfang hat er dann gemeint, dass wäre eigentlich für Mädels nicht so gedacht, aber da habe ich mich durchsetzen mögen.

Jetzt fahre ich schon seit 12 Jahren Rennen. Ich bin gleich mit 8, dann das erste Mal mit einer 50ccm-er gestartet. Da gab es damals eine 50ccm-Klasse, wir waren 35 Starter, unter denen man sich für das Rennen qualifizieren musste. Das war ganz schlimm. Das waren die ärgsten Kämpfe bei denen man sich durchsetzen musste. Das habe ich geschafft!

Du fährst für Motorrad-Magazin, wie sind diese auf dich aufmerksam geworden?

Kim:Mich hat der Clemens Kopetzky von Motorrad-Magazin 2016 angeschrieben, ob ich nicht Interesse hätte bzw. dass sie sich gern treffen würden mit mir. Ich bin dann auch ein paar Runden gefahren, wo sie mir zuschauen und seitdem fahre ich für sie.

 

Unterstützen dich deine Eltern bei den Rennen und was halten sie davon?

Kim: Ja, meine Eltern unterstützen mich. Ohne sie ginge auch nichts, weil sie sehr viel von ihrer Zeit in mich investieren. Mein Papa lebt auch total dafür, dass ich fahren kann und ist auch immer mit dabei. Meine Mama ist zwar eher weniger davon begeistert und fährt auch nicht zu den Rennen mit, aber sie unterstützt uns einfach indem sie zu Hause für uns alles zum Fortfahren herrichtet.

 

Bist du berufstätig? Wie lässt sich das mit deinem Training und deinen Rennen vereinbaren?

Kim: Ich arbeite bei der Sparkasse als Bankkauffrau. Dort habe ich meine Lehre gemacht, bin 2016 mit der Lehre fertig geworden und sie unterstützen mich in dem Sinne, dass ich immer frei haben kann, wenn ich frei brauche. Ich muss zwar mit meinem Urlaub auskommen, aber auch wenn ich einmal kleine Verletzungen habe, ist es jetzt nicht die größte Tragödie.

 

Ist dir auch schon etwas schlimmeres passiert?

Kim: Also ich hab mir einmal den Vorsatz vom Wirbel gebrochen, wobei das eigentlich gar nicht so schlimm war, wie ich es mir vorgestellt habe. Aber jetzt direkt was ganz schlimmes ist noch nie passiert.

Wie trainierst du?

Kim: Ich gehe ins Fitnessstudio, fahre mit dem Rennrad und gehe auch viel wandern. Ich bin kein großer Fan vom Laufen, obwohl ich es auch manchmal tue. Es ist nämlich auf jeden Fall auch wichtig körperlich Fit zu bleiben. Mit dem Motorrad trainiere ich dann so ziemlich jedes Wochenende. Ich mache schon hin und wieder eine Pause, montags ist sowieso mein Ruhetag.

Im Sommer sieht mein Training dann so aus, dass ich 2x Radfahren und 1x ins Fitnessstudio gehe unter der Woche und im Winter gehe ich 4x die Woche ins Fitnessstudio und im Durschnitt 2x die Woche in die MX – Halle in Bayern zum Motorcross fahren.

 

Wie kam es dazu, dass du deine KTM gegen eine Yamaha getauscht hast?

Kim: Ich bin 12 Jahre KTM gefahren und habe jetzt 2018 einen Vertrag mit Yamaha Österreich abgeschlossen. Diese haben mir 2 neue Yamaha YZ 450 F, eine ist zum Fahren, wenn es trocken ist und die andere für nasse Verhältnisse, gesponsert. Und ich muss sagen, dass ist das Beste, was mir passieren konnte.

Am Anfang hatte ich ein wenig Respekt, weil ich vorher nur eine 350er gefahren bin. Diese gibt’s aber bei Yamaha nicht. Trotzdem muss ich sagen, sie ist wirklich ein tolles Motorrad.

 

Wieso bist du zuerst die 350er gefahren?

Kim: Weil sie im Prinzip einen sehr guten Motor hat und sie war ein bisschen handlicher als die 450er. Nachdem ich auch nicht die Größte bin, hat das zuerst ganz gut gepasst, aber es passt mit der 450er jetzt genauso und in der offenen Klasse, wo ich fahre, ist es kein Problem mit der.

 

Wie sieht so ein Supermoto-Rennen eigentlich aus? Wie ist dieses aufgebaut?

Kim: Supermoto ist im Endeffekt eine Mischung aus Straßenfahren und Off-Road. Die Rennstrecke besteht zu 70%-80% aus Asphalt und der Rest ist Off-Road, auf der wir mit Slicks fahren. Die große Kunst beim Supermoto ist, dass wir mit der gleichen Bereifung auf beiden Böden fahren.

Das Rennen geht über 2 Tage, Samstag und Sonntag. Der Samstag besteht aus einem freien Training und einem Qualifying. Am Sonntag gibt es dann ein Warm Up und zwei Rennen. Ein Rennen dauert 12 Minuten plus 2 Runden. Gewertet wird dann mit Punkten. Man kann maximal 25 Punkte pro Rennen erreichen. Der erste Platz bekommt 25 Punkte, der zweite 22, der dritte 20 und so geht das dann in zweier Schritten hinunter. Am Ende werden dann die Punkte aus beiden Rennläufen zusammen gezählt.

 

Wie war die Rennsaison heuer für dich?

Kim: In Österreich war es ja wieder perfekt. Es hat wirklich gut gepasst und ich bin auch wieder Staatsmeisterin geworden. Ich bin auch deutsche Meisterschaften gefahren. Dort wäre aber eigentlich viel mehr drin gewesen, weil ich auch ein paar Nuller dabei hatte, wegen Stürzen.

Heuer steht noch ein Rennen in Belgien an. Ich fahre zwischen 20 und 25 Rennen im Jahr und nicht nur in Österreich sondern auch Meisterschaften in Deutschland, in Italien, Holland und Tschechien war ich auch schon dabei.

 

Bei deinem Facebook-Post vom 16.09.2018, als du Staatsmeisterin wurdest, hast du von einer schweren Zeit geschrieben. Was ist dir da passiert?

Kim: Gleich am Anfang der Saison, bei einer deutschen Meisterschaft, habe ich einen heftigen Sturz gehabt, mit einer schweren Gehirnerschütterung. Ich habe sechs Wochen auf meinem linken Ohr nichts gehört. Deswegen hatte ich ein Problem mit dem Gleichgewicht und auch mental. Dadurch brauchte ich einfach ein bisschen Zeit, bis wieder alles ins Rollen gekommen ist und bin dabei von allen sehr gut unterstützt worden, auch von meinen Sponsoren.

 

Was ist das für ein Gefühl ein Rennen zu gewinnen?

Kim: Das Beste! Ich kann es gar nicht anders beschreiben. Das ist einfach so ein Moment, bei dem du weißt, für was du das alles tust.

Es ist sehr pushend als Frau zu gewinnen. Die Reaktionen der Männer sind da ganz unterschiedlich.

 

Wie reagieren denn deine männlichen Gegner darauf, wenn sie gegen dich verlieren?

Kim: Die Supermoto-Scene in Österreich ist nicht ganz so groß und ich kenne meine Gegner total gut, wir sind ja zusammen aufgewachsen und befreundet. Bei uns ist das so, dass es jeder jedem vergönnt. Es freuen sich dann immer alle mit einem mit.

In den anderen Ländern, zum Beispiel in Deutschland, merkt man das schon oft, dass manche nicht damit umgehen können und eingeschnappt sind.

 

Welche Gedanken gehen dir vor einem Rennen durch den Kopf?

Kim: Vor einem Rennen habe ich immer einen kleinen Ablauf. Ich höre Musik, dafür habe ich ein Playlist, die ich kreuz und quer durchhöre, mit motivierenden Liedern die mich etwas pushen.

Ich bin dann meistens etwas nervös, bis ich am Startplatz stehe. Sobald ich dann dort bin und die Einführungsrunde ist, denke ich an ganz nichts mehr. Nur noch ans Fahren.

 

Hast du eine Lieblingsrennstrecke?

Kim: Die beste Strecke, auf der ich bis jetzt gefahren bin, war für mich letztes Jahr in Paris bei Carole. Dort war Supermoto of Nations.

 

Fährst du in deiner Freizeit auf der Straße mit dem Motorrad auch?

Kim: Nein, ich besitze keinen Führerschein. Ich hatte bis jetzt noch keine Zeit dafür. Ich habe schon vor, dass ich ihn einmal mache, aber zurzeit reizt es mich nicht wirklich. Früher war es schon ein Traum auf der Straße auch zu fahren, aber das ist finanziell etwas schwierig.

 

Wie finanzierst du deine Rennen?

Kim: Wir stecken selbst sehr viel Geld rein und weiters habe ich zum Glück Sponsoren. Meine Hauptsponsoren sind Yamaha Österreich, Motorrad Magazin und der RTS Schalch Club.

Das Teuerste ist meistens die Anreise und die Reifen, wobei mir hier Michelin ab und zu einen Satz sponsert.

 

Würde dich eine andere Klasse an Motorrad-Rennen interessieren?

Kim: Ja, das würde mich auf jeden Fall interessieren. Ich werde nächstes Jahr wahrscheinlich ein Rennen beim R6-Cup fahren. Das muss ich aber erst einmal testen und schauen wie es ist.

 

Was sind deine Pläne für die Zukunft?

Kim: Nächstes Jahr steige ich in Österreich auf in die S1, das ist dann sozusagen die Königsklasse. Das wird auf jeden Fall wieder eine neue Herausforderung, weil dort die schnellsten Fahrer von Österreich sind. Es ist auch noch nie ein Mädel in der S1 gefahren. Also bin ich von dem her schon sehr gespannt, wie es wird. Aber ich denke die nächste Saison ist mehr ein Lern-Jahr. Da ich eher gewohnt bin, dass ich vorne mit mische und das wird jetzt wahrscheinlich auf Anhieb nicht funktionieren. Dennoch ich freue mich schon total.

 

Gibt es etwas, dass du allen Bikerinnen auf ihren Weg mit dem Motorrad mitgeben möchtest?

Kim: Ich glaube, das wichtigste beim Motorradfahren ist, dass man sich auch etwas traut, dass man Spaß hat und dass man sich auf was neues einlässt. Also lasst euch nie entmutigen Mädels!

 

Es war mir eine Freude die junge Oberösterreicherin mit der Startnummer 97 zu besuchen und mit ihr ein wenig zu tratschen. Ich freue mich schon sehr auf ein Wiedersehen mit der taffen Bikerin.

Auch in diesem Sinne #trainyourscills und #havefun,

eure Meli

 

 

Fotos: 5x www.kurtpinter.com, 1x Kurvenfahrerin.at

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.